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10 avril 2008
Unbeschränkt zu genießen
Zwischen Weingummis, Schokoriegel und sonstige Naschwerke gedrückt, steht es da. Es ist ganz gelb. Eben und klein. 15 x 10 cm. Ein Buch. Ein Buch, das in einem Automaten am Berliner Bahnhof Gesundbrunnen verkauft wird. Nicht teuerer als ein Marmorkuchen. Ein Euro. Der Automat verschluckt die Münze und lässt das Heft fallen. « Vor dem Gericht » von Irsi Hanika. Dieses Theaterstück von 15 Seiten ist die 72ste Geschichte der Sammlung « Schöner Lesen », die bei SuKuLTuR veröffentlicht wurde.
Seit 5 Jahren bietet dieser kleine und unabhängige Verlag Bücher über Automaten an. Die Idee dazu entstand im Jahr 2003. Der Herausgeber, Marc Degens, suchte einen Absatzmarkt für eine Reihe, die Erzählungen, Gedichte und kurze Theaterstücke von relativ unbekannten Autoren veröffentlichen sollte. Deswegen hat es der Verlag im normalen Buchhandel naturgemäß sehr schwer.
Die Idee ist originell, aber nicht wirklich neu, sagt Marc Degens. Zum Beispiel hatte der Reclam Verlag von 1912 bis 1940 eigene Heftautomaten.
Seit 2004 hat SuKuLTuR verschiedene Orte erprobt: Jugendhotels, Kantinen und auch eine Kaserne. Das lief nicht so gut, weil der Verlag eher auf wechselnden Kundenverkehr angewiesen war. Ideal wären wahrscheinlich Bahnhöfe.
Heute arbeitet SuKuLTuR mit zwei Automaten-Firmen. Allein in Berlin hat er seit 2004 « etwa 40 000 » kleine gelbe Bücher verkauft. Im Durchschnitt bringt der Verlag jeden Monat ein neues Leseheft heraus. Mit diesem « gewinnträchtigen Handel » können die Nascher neue Autoren entdecken. Danach können sie auch andere Titel von SuKuLTuR in Buchhandel finden.
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